Samstag, 28. Juni 2014

Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof, Weinheim

Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof, Weinheim
Besuch am 30.05.2014
Die Lage des Gartens im milden Oberrheintal nahe der kleinen Fachwerkstadt Weinheim an der Weinstraße lässt einiges erhoffen, das dann bei Betreten des Gartens durch kleine Tore spektakulär übertroffen wird.         
Blick auf den zentralen Mammutbaum von 1888
   
Um ein großes Gutshaus herum ist Anfang der 1990er Jahre ein 2.3 ha großer, moderner Staudengarten angelegt  worden, der verschiedene Lebensbereiche von Stauden darstellt: Gehölz und Gehölzrand, Freifläche, Steppenheide und Felsensteppe, Wasserrand, Wasser und Beet. Natürlich bestehen weitere Untergliederungen wie zum Beispiel nach Herkunft geordnete Pflanzengemeinschaften aus Nordamerika (Präriesteppe), Ostasien oder nach standorttypischen Anforderungen geordnete Pflanzengemeinschaften wie zum Beispiel Trockener Standort, Feuchtwiesen etc.
 
Obwohl das Konzept theoretisch anmutet, ist der Garten keinesfalls akademisch strukturiert, sondern kommt wie ein normaler Staudengarten daher, der verschiedene Layers hat, die man entdecken kann. Wobei wir schon bei der Beschilderung wären, die sowohl ästhetisch als auch inhaltlich vorbildlich ist. Viele Pflanzen werden mit kleinen grünen Labels professionell vorgestellt.
 
 
Darüber hinaus wird die jeweilige Pflanzengemeinschaft wie hier zum Beispiel die zuvor im Bild gezeigete mediterrane Pflanzung mit größeren Labels verständlich beschrieben.
 
 
Der Rundgang durch den Garten ist immer kurvenförmig angelegt und insgesamt kreisförmig strukturiert. Es ist ein schöner Spaziergang, der um die Villa und durch den Garten mit altem Baumbestand (riesiger Mammutbaum, gepflanzt 1888) führt. Ab und zu ergibt sich ein Blick hinüber zur Altstadt oder zu den Hängen des Odenwalds.
Trotz der Vielzahl der Stauden hat der Garten genug Raum zum Atmen. Ein großer Rasen vor dem Haus lässt Platz für eine alte Mangolie und lässt den alten Mammuntbaum noch größer erscheinen. Hier ergibt sich mein einziger Kritikpunkt zur Linienführung der um den Rasen herum gruppierten Beete. Wegen der Größe des Rasens und auch der Weitläufigkeit der Staudenbeete ist kein gestalterischer Zusammenhang zwischen Rasen und Beeten erkennbar. Eventuell könnte die Linienführung der Rasenkanten verändert werden (kurvenreicher), verbindende Gartenelemente (Bögen, Schmuckbauten)installieren werden, oder eine sich wiederholende Bepflanzung mit größeren Stauden (Repetition) eingefügt werden. Dadurch könnte eine Verknüpfung entstehen, die dem Garten gestalterische Impulse verleit, jenseits der Staudensammlungen.

Wobei wir bei dem eigentlich Höhepunkt des Gartens wäre, den Stauden. Der Garten will, wie die Pflanzenversuchsanstalt Weihenstephan in Bayern, Staudenpflanzungen erforschen, Mischungen vorstellen und deren Entwicklung über Jahre hinweg beobachten.  Besonderer Wert gelegt wird auch auf die Natürlichkeit und Ökologie der Bepflanzung.

 
Mein Lieblingsbeet wegen der Farbigkeit (Silberblättrige Artischoke  mit rotem Türkenmohn und rotstieligem Mangold!) und auch wegen der verschiedenen Blattformen war in der Abteilung "Lebensbereich Beet" die Mischung „Malven-Artischocken“. Natürlich bietet jede Jahrezeit andere Eindrücke und Höhepunkte. Wegen meines frühen Besuchs Ende Mai 2014 konnte ich die Taglilien und späten Sommerstauden nur erahnen!




Auch im
Schatten-
bereich
gibt es
mit einer
Hosta
Mischung
(viele variierte
Blattfar-
ben)
 
ein bezauberndes Display, das durch das Blau-Silber der Zeder noch ergänzt wird.

Ein kleines Besucherzentrum bietet umfangreiche Literatur zum Garten, insbesondere zu den vorgestellten Pflanzen. Auch gibt es Sammlungen von gärtnerischen Hinweisen (Pflegeanweisungen!) zu den verschiedenen Pflanzengemeinschaften, die für wenig Geld erhältlich sind, was den Garten wiederum von anderen Deutschen Gärten deutlich abhebt!

Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit, besonders natürlich von Frühjahr bis Spätherbst, weil es wegen der Vielzahl der Stauden immer etwas Blühendes zu entdecken gibt.

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