Mittwoch, 25. Juni 2014

Hofgarten Schloss Oberschleißheim, München

Hofgarten Schloss Oberschleißheim
19.04.2014 
Einer der wenigen erhaltenen deutschen Barockgärten liegt außerhalb Münchens, etwas abseits von den Touristenströmen und ist zwischen mehreren Schlössern beziehungsweise Bauabschnitten einer Schlossanlage angelegt. Der Hofgarten von Schloss Oberschleißheim.
Zentrale Front des Schlossbaus (Neues Schloss)

Der Park verbindet das hier gezeigte Neue Schloss mit dem Schloss Lustheim (siehe unten) und besteht hauptsächlich aus einer langen Mittelachse, die von verschiedenen Parterres rechts und links begleitet wird.
 
Orientierungsplan
 
 

Man betritt den Garten durch unscheinbare Zugänge auf der rechten oder linken Seite des Schlossriegels. Die Wege sind nicht besonders hervorgehoben, in Schließanlage nicht besonders schön und die Beschilderung funktional wie auf einer Straße.
 
 





Wenn man dann um die Ecke biegt, folgt die Überraschung, denn es eröffnet sich ein wunderschönes Bild des Mittelflügels und der barocken Gartenparterres.
 
 
 
 
 
 
Die Bepflanzung der Paterres mit Annuals ist an Ostern 2014, also am 19. April, recht spärlich, jedoch ist zumindest die Hauptachse bepflanzt. Die farblich bunte Mischung aus violett-weißen Stiefmütterchen, Blau/Lila changierenden Vergissmeinnicht, rosa-weißen Primeln und Dunkelroten Stiefmütterchen als Rahmenbepflanzung ist nicht überzeugend. Zumindest die kräftigen Farben des Violettes und des Dunkelrotes gehen nicht wirklich gut miteinander.
 
 
 
 
Die einzig gelungene farbliche Komposition ist das Rondell vor Schloss Lustheim, das mit dunkelroten Heucheria und gelben Primula gut kontrastiert und mit grün-silberfarbenen Aloe (?) ergänzt wird.
  
 
 


 
 
 
 
 
 
 
Das interessante ist, dass der Park verschiedene Levels mit geringen Höhlenunterschieden von einem Meter + oder -  hat und so mit breit angelegten Wasserkaskaden oder mit abgesenkten runden Wasserbecken mit kleinen Fontänen spielen kann.


Auch sind in einigen Parterres im mittleren Bereich, rund ca. 1 Meter tiefe abgesenkte kleinere Rasenpaterres erkennbar, die wiederum von einem Rasenoktogon und dieses von einem viereckigen Lindenlaubengang umrahmt werden und mit diesen Formen spielen. Sehr wahrscheinlich sind diese Senken ehemalige nicht mehr vorhandene Wasserbecken/Fontänen. Eine historische Forschung hierzu gibt es bestimmt, liegt mir aber nicht vor. Jedoch ergibt der Höheunterschied auch heute noch eine interessante Abwechslung.

 
Erstaunlich ist, dass die Bepflanzung ansonsten nicht mit verschiedenen Blattfarben spielt und die mit Mischwald bepflanzten Abteile der mittleren Parterres sich selber überlassen sind. Dort wächst Mischwald aus Ahorn, Buche, Lerche, Kiefern und vereinzelt Fichte. Wenige Eichen ergänzen das Bild. Teilweise sind Büsche unterpflanzt, wie z.B. Forsythien, die das Bild noch etwas ungeordneter machen.

Die Bepflanzung ist in diesem mittleren Bereich rechts und links der Hauptachse und um das Schloss Lustheim mit Hainbuchenhecken, dem oben beschriebenen Mischwald und einzelnen Lindenlaubengängen ziemlich einfach gehalten.



Jedoch besticht die Anlage immer noch durch ihre räumlich gegliederte, sehr regelmäßige Gestaltung, die Wasserspiele und die nahe dem neuen Schloss gelegenen offenen Parterres, die wunderschöne Muster aus Kies und Blumenbeeten zeigen. 


 

Wobei wir bei der Instandhaltung des Gartens wären. Die Grundstrukturen sind noch barock und nicht von romantischen Ansätzen des 19. Jahrhunderts gestört. Jedoch fällt eine sehr spärliche Instandhaltung durch die Schlösserverwaltung auf, die nicht nur dem Frühjahr geschuldet ist, sondern auch mangelndem Ideenreichtum. Unkraut direkt an der Schlosswand fällt sehr auf, die Kieswege sind nicht richtig in Schuss, von den Mischwald Parterres ganz zu schweigen. Besonders schwierig ist der ästhetische Ansatz der Schlösserverwaltung, wenn es um die wenigen wirklichen Neuerungen geht, wie Bänke, Toiletten im neuen Schloss und die Bestuhlung des Saales im Neuen Schloss. Dankbar kann man den Wittelsbacher Bauherren sein, wie natürlich auch den damaligen Handwerkern, die die gesamte Anlage stilsicher über Jahrhunderte in ein Gesamtbild verwandelten.

Leider ist das heute nicht mehr der Fall, die grünen Parkbänke sehen sehr nach Bauhaus aus und die Toilettenanlage ist so unpassend in den Schlossmittelbau, einem barocken Hauptwerk in Deutschland, hinein "gebeamt", dass man sich eher in einem Raumschiff, oder zumindest einem ICE wähnt. Dies hat nichts mit gutem oder schlechtem Design zu tun, sondern mit totalem Versagen der zuständigen Kuratoren. Ein weiterer Stilbruch ist dann die Bestuhlung im Festsaal des Neuen Schlosses, wie gesagt einem Hauptwerk des Barock.





Diese Bestuhlung (mehrere hundert Stühle) sieht aus wie in einem Konferenzsaal eines Hotels, heller Holzrahmen (Akazie?) mit Chrom und hellblauen Sitzbezügen! Leider ist die Farbe Hellblau im gesamten Festsaal sonst nirgends vorhanden und stößt sich mit der Umgebung. Ich möchte hier keinem langweiligen Historismus oder einer gefälligen Design das Wort reden, aber diese Details stören!













Ein Besuch des Gartens ist an einem sonnigen Sommertag anzuraten, wo der weite Himmel und die weiten Parterres herrlich zusammenspielen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen