Donnerstag, 9. Oktober 2014

Oudolf Field, Durslade Farm, Burton, Somerset, England - Die Neuerfindung des Gartenparterres

Sogar der Guardian schreib in seiner vor kurzen veröffentlichen Online-Ausgabe vom Ereignis der Gartensaison in England, der Neueröffnung eines Gartens auf dem flachen Land oder besser gesagt in der wunderschönen Hügellandschaft von Somerset. Siehe weblink: 

Aber was hat es mit Garten auf sich? Zunächst einmal ist das gesamte Projekt erstaunlich. Die Betreiber einer international renommierter Kunstgalerie aus London Hauser & Wirth verlieben sich in eine Farm am Rande der kleinen idyllischen Ortschaft Burton in Somerset, England und beschließen, das Ganze als Galeriestandort zu entwickeln. Sie renovieren die Farmgebäude, ergänzen einige Ausstellungshallen und laden den international renommierten Gartendesigner Piet Oudlof 2013 ein, ein großes Feld hinter der Farm zu gestalten.
Oudolf ist weltbekannt u.a. wegen seines wegweisenden innerstädtischen Gartenprojekts High Line in New York City, USA.  Dort hat er eine stillgelegte Hochbahn auf über einer Meile Länge in einen schwebenden Garten verwandelt und transportiert den Bewohnen dort Grün in ihre Stadt. Ein aufregendes Projekt, auch weil es viele Kontraste zwischen Urbanität und einer natürlich aussehenden, aber dennoch  künstlichen Gartenwelt enthält.

Nicht minder kontrastreich ist der neue Garten in Somerset, der am 14.09.2014 eröffnet wurde. Obwohl von wunderschönen Feldern umgeben, gelingt es Oudolf auch hier, einen starken Kontrast zu erreichen. Hierzu tritt er in Diskurs, oder sollte ich sagen in Konflikt,  mit der englischen Gartentradition. Er stellt der natürlichen Landschaft seinen natürlichen Stil entgegen, der alles andere als zufällig ist. Denn Oudolf gelingt es nach Auflösung der eher formalen englischen Gartendesignsprache eine neue Sprache zu finden, die modulare Elemente repetiert.
 
Er komponiert in natürlich geschwungenen Formen und Linien. Damit perfektioniert und überhöht er eine natürliche Linienführung. Er erreicht eine neue Geschlossenheit seiner Gartendesignsprache, was dann verblüffenderweise wieder etwas Formales hat. Wenngleich diese Formalität locker und fließend daherkommt.

Den Garten betritt man aus den Galeriegebäuden kommend eher unauffällig und findet sich zunächst auf einem grünen Rasen wieder, der zum Garten überleitet. Kurvenreiche Kieswege nehmen den Besucher auf und führen durch die Beetmodule zur Mitte des Gartens, die durch eine überdimensionale Uhr und einen Teich definiert wird. Dort beginnt ein  mäandernder Kiesfluss, der durch das Pflanzenmeer führt und mit kleinen Grassinseln besetzt ist. Das Muster dieser Komposition ist besonders schön ausgestaltet und erinnert an eine organische Zellstruktur. Der Grundriss bleibt auch nicht verborgen, denn durch das ansteigende Gelände ist alles leicht geneigt und offenbart seine hinreißend schönen Grundformen.




 
Ganz nebenbei erfindet Oudolf das Gartenparterre der Niederländer neu. Er umgibt den rechteckigen etwas ansteigenden Gartenraum mit einer Hecke (oder lässt diese von der vormaligen landwirtschaftlichen Nutzung stehen) und gliedert den Raum dazwischen mit einem elegant und organisch fließenden Grundriss aus Beeten. Die mit Stahlkanten gerahmten Beete sind leicht hügelig angelegt.  Dies ist umso wichtiger als Oudlolf auf große Pflanzen, die ins Auge fallen würden, verzichtet und die Bepflanzung meist in einer Höhe von 30 – 50 cm hält. Das Fließen der Bepflanzung ergibt sich dann automatisch aus dem geringen Höhenunterschied der Wuchshöhe und den leichten Erdhügeln, die die Beete durchziehen und meistens in der Mitte etwas höher sind. Ein natürliches Wogen der Bepflanzung wird erreicht. Nichts sticht heraus, alles ist miteinander verwoben. Stellt man sich jedoch näher heran und schaut genauer in die Beete, sind dort eine Vielfalt von Blatt- und Blütenfarben, von Formen und Farben enthalten. Der Gartenführer weist 115 verschiedene Spezies aus, insgesamt wurden 26.000 Pflanzen gesetzt.

Besucher findet in dieser Masse immer eine zufällige Blüte, eine besondere Schönheit des Tages. Es ergibt sich, wohl auch zufällig, immer ein interessanter Nachbarschaftskontrast. Schöne abgeblühte Pflanzenteile werden stehe gelassen. Im Winter sieht man dann verzauberte Strukturen mit Eis und Schnee. Der Garten soll damit einen natürlichen Rhythmus erzählen. Wie auch die übergroße Uhr im Garten, die vernehmlich laut tickt und den Zeitablauf und die Vergänglichkeit des Gartens noch betont. Alles hier Gezeigte ist eine Momentaufnahme. Gerade der Staudengarten ist in seiner Schönheit kurzlebig und nur 6 Monate im Jahr wirklich sichtbar, denn im Winter ziehen sich die mehrjährigen Staudenpflanzen größtenteils unter die Erde zurück. Ein leerer, ja skelettierter Garten im Winter, ein üppiger lebendiger Garten im Sommer. Werden und Vergehen, die Uhr tickt.

Oudolf erreicht mit seinem Staudengarten eine Geschlossenheit der Komposition und eröffnet gleichzeitig Weite durch die Offenheit des Feldes, auf dem sich sein Stauden-Parterre befindet und durch die Blicke, die sein Garten nach oben, in die Ferne du ins Innere des Besuchers freigibt. Ein endloser Naturraum entsteht, der sich mit der Landschaft daneben verknüpft. Ein Ideal  der Gartenschöpfung wird erreicht.
Oudolf geht wie ein Maler heran. Seine ausgestellten Skizzen und Zeichnungen zum Garten zeigen verschiedenfarbig gemalte Legenden, für jede Pflanze eine andere Chiffre.  Er zeichnet und komponiert mit Farben und Formen. Er erfindet Pflanzengemeinschaften und mischt verschiedene Spezies, wie z.B.  Echinachea pallida und Stipa tenuissima (Frauenhaargrass) (70% + 30%). Dies alles erinnert an einen Malprozess und zeigt den künstlerischen Ansatz.
Besonders schöne Pflanzengemeinschaftes erfindet Piet Oudolf in den Beeten 5, 6 und 7. Er streut ab und zu ein Pennisetum alopecuroides var. viridescens (Federborstengrass) ein und zeigt sein durchgängig wiederholtes Sedum ´Matrona` neben dem gelb blühenden Achillea ´Credo`. Die Farbpalette ist bunt, einen Farbenplan konnte ich nicht erkennen. Manchmal stößt denn auch das Konzept an seine Grenzen, wenn die Randbepflanzung zu hoch ist und den Blick unter die nackten Stauden erlaubt, oder wenn Farben nicht harmonieren. Meiner Meinung nach stört das oft zu sehende Helenium ´Moerheim` mit seinem Orangerot  das bunte Farbenmeer.
Ein Besuch ist besonders im Sommer und Herbst zur Blütezeit der Stauden interessant. Aber auch im Winter dürften der Grundriss und die Landschaft große Reize haben. Mein Besuch war am 28.09.2014.

Mittwoch, 3. September 2014

Croome Park, Worcestershire, England, UK


Croome Court
Von ´Capability` Brown habe ich schon oft gehört und wollte immer schon einen seiner Gärten besuchen. Denn bei Brown handelt es sich um den bedeutendsten englischen Landschaftsarchitekten, der die Ablösung des Barockgartens durch den naturnahen (aber nicht minder künstlich gestalteten)  Landschaftspark maßgeblich mit betrieben hat, lange bevor auf dem europäischen Kontinent irgendjemand daran dachte. ´Capability` Brown bekam seinen Spitznamen wegen seiner Begabung und Kreativität, alle Probleme zu lösen. Sein Stern ging Mitte des 18. Jahrhunderts in England auf und führte zu einer umfassenden Veränderung unseres Garten- und Parkverständnisses, was noch heute in seinen Grundzügen in der westlichen Welt gilt.

´Capability` Brown
Sein Einfluss reichte schon damals bis zu den zuvor auf meinem Blog beschriebenen deutschen Gärten von Schwetzingen und Schönbusch, Aschaffenburg. Denn der deutsche Architekt Friedrich Ludwig von Sckell fuhr 1773 bis 1777 nach England, um dort den neuen Garten Design Trend anhand der Gärten Browns zu erlernen. Seine ersten Arbeiten zurück in Deutschland waren dann Schönbusch bei Aschaffenburg und Schwetzingen und später der noch heute beliebte Englische Garten in München.

Man sieht daran auch, wie sich Ideen und Moden verbreiten, damals im 18. Jahrhundert in Zeitlupentempo, heute im digitalen Zeitalter natürlich viel schneller. Das Ergebnis ist dann das gleiche, eine irgendwo einmal entstandene bahnbrechende Idee wird anderswo repliziert. Interessant ist es, an den Ursprungsort zurückzukehren und genauer hinzuschauen, wer denn da was gedacht und entwickelt hat. Und natürlich wie sich diese ursprüngliche Idee dann weiterentwickelt und in einzelnen Ländern verändert hat. 



In Bezug auf die englischen Landschaftsgärten waren die Urkeimzellen zu aller erst Stowe und dann auch schon Croome. Denn in Stowe war Brown ´head gardener` und in Croome verwirklichte er seine erste eigenständige Arbeit als Landschaftsarchitekt ab 1751.  Nach Stowe werden wir ein anderes mal reisen.


Künstlicher Fluß in Croome Park mit Blick zurück auf Kirche


Croome Park hat eine aufregende Geschichte, die man sogleich komprimiert am Eingang erfährt und durchlebt. Nach dem Parkplatz trifft man auf schwarz angestrichene ehemalige Armeebaracken der RAF (Royal Air Force), die der neue Eigentümer, der National Trust (NT), als Besucherzentrum, Tea Room und Gift Shop umgebaut hat. Wie immer hat die private Stiftung NT, deren Mitglied jeder werden kann,  vorzüglich gearbeitet und alle historischen Schichten des Grundstücks mustergültig aufgearbeitet. Davor sitzen singende Hari Krischna Jünger, aber was haben die mit Croome zu tun?

Gehen wir zunächst weit zurück in der Geschichte des Ortes. Wir sehen über die Jahrhunderte Glanz und Elend eines großen Landgutes in England. Die Erbauer Familie Coventry führte das Haus und das Gut bis Mitte des letzten Jahrhunderts. Die RAF nutzte im 2. Weltkrieg einen Teil des Geländes als geheimen Stützpunkt und die niederländische Königsfamilie verbrachte ihre Zeit der Flucht vor Nazi-Deutschland in Croome Court. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Anwesen durch viele Hände gereicht:

Die katholische Kirche betrieb mit Nonnen ein Heim für schwer erziehbare Jungen bis 1979, danach waren Immobilieninvestoren an der Reihe, die trotz ihres Namens (und das ist meist so) nichts investierten. Die Hari Krishna Sekte kaufte das Haus 1980 und blieb bis 1984 und danach waren es wieder Investoren, die alles noch mehr ruinierten. Schließlich konnte der National Trust 1998 das leer stehende und heruntergekommene Anwesen kaufen. Der Park war überwachsen und kaum noch erkennbar, die künstlichen Wasserläufe versandet und die meisten Parkbauten baufällig.

RAF Baracke, heute Besucherzentrum
Die Hari Krischnas sitzen noch am Eingang und singen, sie scheinen noch einen Teil der Wirtschaftsgebäude zu nutzen, die RAF Baracken sind inzwischen wie oben beschrieben umgewandelt. Mehr ist soweit nicht vom Park zu sehen. Ich stehe am Eingang neben den Baracken und wundere mich, ob ein Besuch denn lohnt.
Auf einem unscheinbaren Weg geht man nach den Eingangsbaracken durch einen kleinen dichten Buschwald und kommt nach wenigen hundert Metern auf einer kleinen Anhöhe an, links die Kirche und rechts eröffnet sich der weite Blick über das Land, mit Schloss und Wasserlauf, einzelne solitär stehende Bäume, wie hinein gepinselt, und der hohen Himmel thront darüber. Ein Landschaftsbild. Ja der Besuch lohnt sich!  


Kirche St. Mary Magdalene
In nicht ganz 20 Jahren hat hier der NT ein Stück Ideallandschaft zurückgeholt und eine Idee wiederbelebt. Alles ist mit allem verbunden. Nichts scheint künstlich gestaltet, sondern natürlich. Die Kirche (von Brown selbst entworfen) steht ideal platziert auf einem kleinen Hang und zieht alle Blicke auf sich.
 
 
 
 
 
  
 
Glashouse Temple
Rechts in einiger Entfernung steht ein mit einem breiten Portikus und Säulen versehener Glashaus-Tempel zum Überwintern der Pflanzensammlungen.
 
 
 
 
 
   
 
Croome Court mit umgebenden Wiesen
Ein Fluss schlängelt sich durch die grünen Felder und in der Mitte des Landschaftsbildes steht das Schloss wie eine Kommode.
 
 
 
 
 
 
 
  
Riesiger Zedernbaum
Eine riesige Zeder wächst mit ihren horizontalen Ästen mitten auf der großen Wiese.
 
 
 
Kühe grasen und am anderen Ende des Parks hinter dem Schloss gibt es noch eine Rotunde. Alle Blicke führen hinaus in die umliegende Landschaft und die eye-catcher der Gartenbauten verankern dann alles wieder zurück im Park und beim Besucher.  Eine geschickte Verknüfung von Innnen- und Außenbereich.
 
 
Rotunde
 







 
 
Nymphe an der Grotte
Versteckt hinter Bäumen ist dann ein romantischer Teich mit Inseln und 2 Eisenbrücken, die den Rundweg über eine Insel führen. Ein Pavillon und ein Grottenbau stehen am Ufer und ziehen die Blicke der Besucher beim Umrunden des Teiches auf sich. 
 
 




 
 
 
 


Das war schon das Inventar dieses Parks. Aber was macht das so besonders? Es ist die Einfachheit und Konzentration auf die wenigen Elemente, die das ganze genial macht. Das Können Browns manifestiert sich darin, dies alles in großem Maßstab zu beherrschen und natürlich erscheinen zu lassen. Er wählt die Ingredienzien eines idealen Landschaftsbildes, verteilt diese perfekt auf dem weitläufigen Gelände und verknüpft diese durch ein Wegesystem. Die natürlich fließende Linienführung ist elegant vorgenommen und überhöht eine Natur, die so nie in Wirklichkeit vorkommt.

Hinter dieser Landschaft stecken lange unterirdische Entwässerungskanäle, eine 12-jährige Bauzeit für den künstlichen Fluss und für die Modellierung der Landschaft, was den Erbauer, den 6. Earl von Coventry,  die umgerechnete Summe von heute 28 Millionen Pfund kostete. Auch wurden moderne Baumaterialen wie ´Coade Stones` verwendet,  d.h. gebrannte Keramiksteine, die als Fassadenteile oder Gartenschmuck in Serie vorgefertigt wurden.
Der Gartenkünstler Brown spielt mit dem Spiegeleffekt des Wassers und lässt die beiden damals modernen Eisenbrücken zusammen mit der verbindenden Insel wie Augen ausschauen, die aus dem Wasser auftauchen.  



Teich mit Spiegeleffekt in Croome Park


Besonders sehenswert ist das Haupthaus, das auch von Brown entworfen wurde. Mit seinem Hausentwurf löst Brown barocke Formen ab und ist im Klassizismus angekommen. Das Haus wird vom NT noch renoviert und hat leider sämtliche Einrichtungsgegenstände verloren. Die Zimmereinrichtung des Tapestry Rooms befindet sich im  Metropolitan Museum of Art in New York, USA und wird auf Fotografieren von 1958 gezeigt.  Vieles ist verloren gegangen, der Park ist zum Glück wiederbelebt worden.  
Blogger mit Steinvase vor Croome Court,
31.08.2014
Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Mein Besuch war am 31.08.2014
 

Samstag, 30. August 2014

Ohinetahi, Govenors Bay, Christchurch, Neuseeland

Haupthaus mit Nektarinenbäumchen (Prunus persica var. nucipersica)
Nach Ohinetahi fahren bedeutet zunächst eine Weltreise nach Neuseeland ans Ende der Welt zu machen. In Christchurch auf der Südinsel angekommen, fährt man durch Vororte den Berg hinauf und kommt ganz oben auf einer Passhöhe an, die einen berauschend schönen Blick zurück auf die Stadt Christchurch und die Ebene von Canterbury bietet, aber gleichzeitig auch auf der anderen Seite einen Blick hinunter in das vom Meer überspühlte Kraterbecken und die umherlaufenden Felsenketten freigibt. Was eine Blick! 






Zufahrt Ohinetahi mit Agapanthus rechts
Man fährt noch ein paar Meilen eine Serpentinenstraße hinunter und kommt dann an eine unscheinbare Einfahrt links, fährt hinein und einen schmalen Fahrweg hinunter. Rechts blüht eine lange Reihe von Aganpanthus und links steht eine gemischte Hecke mit Rotbuchen und anderen Heckengewächsen in verschiedenen Grüntönen. Man weiß gleich, dass man richtig abgebogen ist, denn das sieht schon sehr nach gestaltetem Garten aus.





Haupthaus Ohinetahi mit Norfolk Tanne oder Zimmertanne (Araucaria heterophylla)
Kurz darauf verschlägt es einem erst einmal die Sprache, ob des wunderschönen Ausblicks, der sich am Ende der Auffahrt zum Meer auftut. Tief türkisblaues Wasser weit unten, grün eingerahmt durch Vegetation an den beiden Ufern der Bucht und gleich links steht das bezaubernde koloniale Landhaus aus beigen Sandsteinen mit umherlaufender Veranda, weißem Geländer und hellgrün-glänzenden großblättrigen Bergenien vor der Haus. Das ist auch für einen geübten Gartenbesucher und Reisenden zu viel auf einmal! Gibt es ein Gartenparadies denn wirklich? Ich zweifele sofort an meinem Garten Design Diplom, das ich erworben habe und glaube an den ´genius loci` und an die Spiritualität eines Ortes.

Der Ort bietet aber noch viel mehr, nämlich einen genial erfundenen Garten, der mit seinen Pflanzen ein Paradies auf Erden errichtet und im besten Sinne des deutschen Botaniker Karl Förster die Seele anspricht. Wenn ich diesen zitieren darf:

Die Blume erweist sich als größerer Pionier eines neuen Verhältnisses zwischen Welt und Seele, als wir ahnen. Es gehen unvorstellbare Wirkungen von Gärten und Blumen aus.
(Karl Foerster 1874 – 1970)

Blick auf Govenors Bay mit Agapanthus Bepflanzung

Die Wirkung von Ohinetahi ist für mich, zurück in Europa, immer noch fühlbar. Denn die Ästhetik und Schönheit des Ortes prägt sich sogleich ein, wenn man um das Haus geht und den eigentlichen Garten betritt. Er besteht im Grunde nur aus zwei kreuzförmig anlegten Achsen, die sich in der Mitte vor dem Haus treffen und um die herum alles logisch und fließend, formal und informal, gestaltet und wild, altmodisch und modern, kreativ schöpfend und zitierend, fest und schwankend, geschützt und offen aufgebaut ist.




Gartenpavillon mit Staudenbeet
Auf dem großen Rasen stehend fällt zunächst die eine Hauptachse mit einem Gartenpavillon ins Auge. Dieser steht am Ende von parallel angelegten Staudenbeeten (Borders) und nimmt mit seiner filigran geschwungenen Form die Leichtigkeit der Stauden auf. Die Staudenbeete sind mit mehrjährigen Stauden und Gras bepflanzt und in der Farbgebung traditionell lila, blau, rosa (zarte, gemischte Töne) und verschiedenen Blattfarben (silber, grün, wenig dunkelrot) gehalten.





Blick zurück aus dem Gartenpavillon zum Haupthaus
Die Staudenbeete werden eingerahmt von immergrünen Hecken, hier Taxus baccata und bekommen dadurch Schutz vor Wind und Wetter. Gleich links dahinter befindet sich der nächste Gartenraum, der durch die andere Hauptachse erschlossen wird, die rechtwinklig vom Hauptweg abgeht.
 
 
 
 
 
 
 


Walled Garden
Geht man auf dieser Querachse durch einen kleinen, steinernen Eingang, steht man in einem formalen viereckigem Garten, dem sogenannten Walled Garden, der eigentlich der Farbe Rot gewidmet ist und mit rotblühenden und dunkelrot/blaurot belaubten Pflanzen spielt (rotblättrige Dahlien, Berberitzen, Lobelien, Heucheria, eine rotblühende Rose, wohl ´Parkdirektor Riggers`, rotblühende Montbretien, silberblättrige Olivenbäume und grüner Buchs als Rahmen). Die Pflasterung ist mit roten Backsteinen wunderschön gearbeitet. Ein altes Taufbecken definiert die Mitte des Gartens und hält das Muster aus formgeschnittenen Buchshecken und rotblühenden Stauden bzw. rotbelaubten Hecken. Das Ganze kann von einem direkt angrenzenden Gartenturm von oben besichtigt werden und hat so einen wirklich dreidimensionalen Ausdruck.
 
Aussichtsturm im Walled Garden
Bepflanztes Taufbecken
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Treppenaufgang mit Säulen
Geht man die Querachse weiter, betritt man Treppen und kommt durch einen italienisch anmutenden Säulengang hinauf auf längslaufende kleinere Terrassen, die einem Thema oder einer Pflanzengattung gewidmet sind, z.B. frühsommerlichen Pfingstrosen (Paeonia spp.). Klassischer, figürlicher Schmuck aus Löwen und Sphinxen passen auf das Ganze auf und zitieren europäische Gartentraditionen.
 
 
Blick zurück von Säulenaufgang zum Haupthaus und Meer
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Lime Avenue  - Lindenallee
Gerade in diesem Moment muss ich dann auch schon schmunzeln, denn was machen hier die genialen Gartenschöpfer? Auf einer dieser Terrassen zitieren sie einen anderen Lieblingsgarten von mir, und ich glaube nicht nur von mir, sondern auch von vielen anderen Gartenenthusiasten, nämlich Lawrence Johnston´s Hidcote in Gloucestershire, England. Sie waren bekennender maßen da und haben die Pflanzabstände der berühmten Lindenallee im dortigen ´Stilt Garden` mit dem berühmten Heaven´s Gate  abgemessen: 3,50 m im Abstand, um das Geheimnis zu verraten! Hier auf der Südinsel von Neuseeland über 10.000 km entfernt von Hidcote wirken die Linden genauso schön und passend! Sie eröffnen den Blick nicht auf die weite Landschaft und den Himmel über den Cotswolds, aber auf die nicht minder schönen Berge und Felsen von Governors Bay. Am Ende der Lindenallee befindet sich dann noch ein Rondell, das den strikten geraden Raum öffnet und mit einer schwebenden Plastik von oben herab geprägt wird.
 

Schwebende Kugel über dem Endrondell nach der Lindenallee
 
Überhaupt ist der Garten voller kleiner Kunstgegenstände, Statuen und hat sogar eine kleine moderne Galerie. Die Gartenschöpfer Sir Miles Warren, zusammen mit seiner Schwester, der Künstlerin Pauline Trengrove und ihrem Eheman, dem Architekten John Trengrove, haben hier ihren Traum Wirklichkeit werden lassen und ein Gesamtkunstwerk geschaffen.



 
Auch botanische Raritäten sind zu entdecken, wie z.B. Ulmus carpinifolia variegata, die in Europa heimische Feldulme, die infoge des Ulmensterbens hier fast nicht mehr ausgewachsen vorkommt. In Ohinetahi steht sie ausgewachsen und sogar variiert mit cremeweiß gesprenkelten Blättern!

 
 
Treppenaufgang mit Formschnitt Buchsbäumchen
Geht man nun weiter bergan auf der Querachse, dann kommt man über den Fahrweg, auf dem wir angekommen sind, zu einer Treppenanlage, die mit Formschnitt Buchsfiguren, ähnlich denen in Great Dixter, und einem modernen Kunstwerk abgeschlossen wird. In einem dreieckigen Grundriss, der zwischen der Treppe, dem Gemüsegarten und dem Fahrweg gefangenen ist, haben die Gartengestalter vor kurzem, auch gerade im Hinblick auf die in Mode gekommenen neuseeländischen ´native plants`, ein Formschnitt-Beet mit vier verschiedenfarbigen einheimischen Buscharten wie z.B. Corokia spp. angelegt. In einem  mäandernden, kunstvoll geschnittenen, modernen Muster verschränken sich verschiedene Blattfarben und Buschformen miteinander. Geniales Design auf schwierigem Grundriss.
Moderne Heckenskultpur mit einheimischen neuseeländischen Büschen
 u.a. Corokia cotoneaster
 
 
Geht man den ganzen Weg nach unten zurück, kommt man über die Hauptachse vorbei zu einer Hängebrücke, die die Querachse fortführt und auf die andere Seite des Gartens über ein kleines, schattiges Tal führt. Das Tal wird links von einem Weg begleitet und ist naturnah mit einheimischen Pflanzen gestaltet und am Ende mit einem kleinen aufgestauten Teich versehen. Dort gibt es dann auch eine Hosta-Sammlung und riesige Gunnera manicata, die zurück in den formellen Garten überleiten.  
Hängebrücke über Seitental
Weg ins Tal


 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
Nach der Brücke rechts kommt man zunächst durch die Sammlung einheimischer Pflanzen und einen kleinen Wald. Am Ende dieses Weges steht unverhofft auf einem elliptischen Grundriss ein nach Maori Art geschnitzter Holzbalken aufrecht da, den man umrunden muss, um dahinter dann einen weiteren Höhepunkt des Gartens zu entdecken. Einen vom Wald gerahmten Ausblick auf die Govenors Bay mit einem Geländer, das wie an einem Schiffsbug spitz zuläuft. Farben und Formen sind so beeindruckend, dass es lange braucht, bis man sich satt gesehen hat und sich aus diesem Eindruck lösen kann.
Endpunkt des Rundgangs mit Kunstwerk
und blühender Cordyline australis
Ausblick auf Bay über Schiffsreling

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zurück über die Brücke kommt man wieder zum Rasen. Dort findet man eine formale Sitzbank mit flankierenden roten Granitsäulen, die den Rasenraum abschließt und zum Rosengarten überleitet. Dieser zitiert nochmals die europäische formale Gartentradition und verknüpft den Raum zwischen Haus, Galeriegebäude und Rasen genial. 

 

Bank mit roten Granitsäulen und zwei gelb belaubten Robinia pseudoacacia 'Frisia'

 
 
 
Rosengarten mit Bergblick
Formaler Teich
Die in weiß und creme gehaltenen Rosenbeete sind durch schmale Wege erschlossen und stehen auf rechteckigen Grundrissen. Buchshecken mit rechteckigen und kugelförmigen Ecken und die Backsteinwege bilden ein regelmäßiges Muster. Mit dem anschließenden formalen Teich wird der Rosengarten aufgelockert und bekommt durch den kleinen Brunnen Leben.

Rosengarten mit Gästehaus



 
 

Veranda mit Corokia Hecke
(corokia x virgata 'geenty's green')
Interessant ist auch die umlaufende Sockelbepflanzung der Veranda mit einer silberblättrigen Corokia, die das Haus mit dem Garten wunderschön verbindet und einen natürlichen Übergang der Baumasse zum formellen Rosengarten bildet.
 
 
 
 
 
 

 
 
 
Amphitheater mit alten Haussteinen
Geht man weiter weg vom Haus zum neuen Teil des Gartens, der nach dem schweren Erdbeben von 2010 errichtet wurde, sieht man zunächst eine in fließenden Linien gehaltene, moderne Bepflanzung aus neuseeländischen Büschen und mehrjährigen Stauden. Darin eingebettet wurde ein Amphitheater, das mit den schönen beigen Sandsteinen des Landhauses gebaut wurde. Die Steine stammen vom im letzten großen Erdbeben teilweise eingestürzten Haupthaus, das nur bis zum ersten Stock wieder aufgebaut wurde. Die Steine blieben übrig und fanden eine neue Verwendung. Der Blick schweift über die Governors Bay und die Farbenpracht umher. Zurück am Haus ist man beeindruckt und reiht den Garten ein in die Liste der bedeutendsten Gärten der Welt.

Der Garten ist unbedingt eine Reise wert. Wegen der Staudenbeete ist ein Besuch im neuseeländischen Sommer, also von November bis Februar, am eindrucksvollsten. Meine Besuche waren am 11.1. und 7.2.2014.
 


Abschied mit Blick auf Govenors Bay