Mittwoch, 27. August 2014

Native Botanic Garden Wellington - Otari Wiltson´s Bush, Wellington, Neuseeland

Eingangstor Otari Wiltson´s Bush
Der Native Botanic Garden -  Otari Wiltson´s Bush von Wellington liegt etwas abseits des historischen botanischen Gartens, ca. 5 km von diesem entfernt.  Wellington wurde Mitte des 19. Jahrhunderts an einem natürlichen Hafenbecken gegründet und liegt unmittelbar an den Hängen eines subtropischen Waldes. Natürlich durfte es an einem botanischen Garten nicht fehlen, der direkt nach der alten Stadtgrenze im 19. Jahrhundert bergan gebaut wurde. Als sich die Stadt erweiterte und über die Hänge nach oben wuchs, war der alte botanische Garten plötzlich innerhalb der Stadt und liegt noch heute wunderschön oberhalb der Metropole mit Blick auf die Bucht. Wir wollen jedoch in den jungen Ableger dieses historischen  botanischen Gartens.

 
 
Blick von den Hügeln hinab auf Wellington
Wir fahren deshalb durch einen Tunnel, der die erste Stadterweiterung um die Jahrhundertwende  zum 20. Jahrhundert ermöglichte und die Stadt einfach in das nächste Tal und dort die Hänge hinauf expandieren ließ. Nach einer kurvenreichen Fahrt durch Suburbs, taucht auf der rechten Seite ein kleiner Parkplatz auf. Auf Maori Art geschnitzte hölzerne Pfosten zeigen den Weg zum Eingang. Der Park ist an einem steilen Hang hinab und dazu noch über ein Seitental hinweg angelegt. Eine private Stiftung des Naturenthusiasten Mr. Wiltson. Als dieser Ende des 19. Jahrhunderts erkannte, dass viel natürlicher Wald verschwinden würde, kaufte er das Tal und erhielt einen Teil des Waldes. Der Park ist zunächst  in einen Waldnaturlehrpfad mit vorbildlicher Beschriftung aufgeteilt und beherbergt dann eine auf dem anderen Hügel gelegenen Sammlung einheimischer Pflanzen aus verschiedenen Habitats Neuseelands. Darüber hinaus wurde ein großer natürlicher Wald im angrenzenden Tal erhalten und ist durch Wege nach unten erschlossen.

riesiger Rata Baum
Betrachten wir zunächst den Waldlehrpfad, der durch einen Podocarp Wald mit allen darin befindlichen Wald- und Buschschichten führt. Die Beschriftung ist sehr lehrreich und führt den Besucher in den neuseeländischen Urwald. Es werden alle wesentlichen botanischen Besonderheiten der Nordinsel gezeigt. Besonders beeindruckend sind ausgewachsene Farnbäume und riesige Metrosiderus robusta, in Mauori Sprache: Rata und Podocarpus totara, in Mauori Sprache: Totara.
 
 
 
 
 

Der Garten hat eine Sammlung von allen neuseeländischen Farnen und Baumfarnen, die bis zu 20 Meter Höhe erreichen können!



















Für Europäer beeindruckend hohe Exemplare stehen als Allee am Wegesrand.
 
  
 
Pseudowintera ´Red Leopard` und Pittosporum ´Golf Ball`
 und Hebe ´Emerald Gem` in Formschnitt
Vor etwas mehr als zehn Jahren wurde dann ein hoher Steg zwischen den beiden oberen Teilen errichtet, der über das Seitental einen Zugang zum zweiten Teil des Gartens, der Sammlung einheimischer Pflanzen bietet. Teilweise sieht man vom Steg auch in die Baumkronen und weit ins Tal, was an Kew Gardens in London und den dortigen Canapee Walkway erinnert. Der in seiner Größe übersichtliche Garten ist sehr schön angelegt und bietet eine gute Übersicht über neuseeländische Pflanzen.
 
 
 
Formale Elemente der Sammlung, insbesondere der Rock Garden und der rechteckige Rasen dazwischen, überzeugen und führen zu einem schönen Ausblick auf das Tal und den gegenüberliegenden Wald, der teilweise mit Piniengehözen aus dem Mittelmehrraum  bepflanzt ist und so unmittelbar die Ablösung und Vernichtung des native forest unmittelbar vor Augen hält.
 
 
 

Von rechts: Matthias Spall, John Dawson
Der Höhepunkt meines Besuchs war ein Treffen mit dem Botaniker und Buchautor John Dawson, 86 Jahre alt, der mir eine persönliche Führung durch seinen Heimatgarten gab.  John erklärte mir auf meine Frage wegen der vielen ähnlichen Pflanzen mit unterschiedlichen Genera in Neuseeland, dass auch er (!) manchmal  beim Benennen einer Pflanze unschlüssig sei. Denn die Anpassungen der verschiedene Pflanzenfamilien an Ihre Umgebung verliefen ähnlich, was das Rätselraten im Bush Neuseelands immer wieder spannend macht. Ist das jetzt eine Elingamita johnsonii oder eine Corynocarpus laevigatus? In diesem Fall verraten die gelben Stomata (Spaltöffnungen an den Blattunterseiten) die Lösung und deuten auf eine Elingamita hin, obgleich die Blätter ansonsten zum Verwechseln ähnlich sind! Johns Bücher, wie z.B. der Field Guide To New Zealand´s Native Trees, sind sehr zu empfehlen und immer in meinem Wandergepäck! Thank you John!
Der Garten ist wegen seiner großen Bedeutung und zum Erlernen der neuseeländischen Flora das ganze Jahr über eine Reise wert. Definitiv einer meiner botanischen Lieblingsgärten! Mein Besuch war am 28.12.2014.

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